Dass eine Reform des derzeit praktizierten Systems der Direktzahlungen an landwirtschaftliche Unternehmen notwendig sei, stellte Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft vor dem Ausschuss fest. „20 Prozent der Betriebe erhalten 80 Prozent der Förderung“, sagte er. Direktzahlungen sind finanzielle Leistungen vom Staat, die unter anderem Wettbewerbsnachteile aufgrund hoher Auflagen und dem Allgemeinwohl dienende, nicht über den Markt honorierte Leistungen der Landwirte ausgleichen. Die Hilfen seien zum Nutzen weniger, aber zum Nachteil vieler, kritisierte Graefe zu Baringdorf. 

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Pressemeldung Nr. 4 vom 06.01.2016

Zweifel an Glyphosat-Bewertung des Bundesamtes für Risikobewertung

Staudte: Zulassung darf nicht verlängert werden

Darum geht es

Im Rahmen einer Experten-Anhörung hat sich der Landtagsausschuss für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung heute (06.01.16)  mit der Frage der Toxizität des in Pestiziden eingesetzten Herbizid-Wirkstoffs Glyphosat befasst. Der als Experte geladenen Mediziner Prof. Dr. Eberhard Greiser (Universität Bremen) hat sich dabei vor allem mit dem Zustandekommen unterschiedlicher Einschätzungen der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) zum Krebsrisiko durch den Einsatz von Glyphosat auseinandergesetzt.

Das sagen die Grünen

Miriam Staudte, Sprecherin für Verbraucherschutzpolitik

„Die Einschätzung der WHO, die Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend beim Menschen einstuft, ist auf der Grundlage einer ganzen Reihe seriöser und öffentlich zugänglicher Studien zustande gekommen.“

„Das Vorgehen des Bundesamtes für Risikobewertung, seine positive Bewertung dieses Wirkstoffs überwiegend auf geheime Studien der Industrie zu stützen, bei denen noch nicht einmal die Autoren genannt werden, stimmt dagegen sehr bedenklich. Erhebliche Zweifel an der Seriosität des BfR bei dieser Frage sind deshalb mehr als angebracht. Es spricht Bände, dass das BfR zur Landtagsanhörung erst gar nicht erschienen ist, um sich dieser Kritik direkt zu stellen.“

„Auf dieser Grundlage kann die Zulassung von Glyphosat als Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff jedenfalls nicht verlängert werden. Ich bleibe dabei: Dieses Gift gehört vom Markt!“

Zum Hintergrund:

Der Pflanzenschutzmittelwirkstoff Glyphosat ist ein seit den 1970er Jahren zugelassenes Totalherbizid. In Deutschland ist er mit jährlich rund 5.000 Tonnen das mit Abstand am häufigsten eingesetzte Pestizid. Die jeweils für einen Zeitraum von 10 Jahren von der EU-Kommission erteilte Zulassung ist zum Ende des Jahres 2015 ausgelaufen und wurde bis zum 30.06.16 vorläufig verlängert.

Die endgültige Entscheidung der EU-Kommission über eine Verlängerung der Zulassung um weitere 10 Jahre steht noch aus. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat jedoch am 12.11.15 eine positive Bewertung des Wirkstoffs Glyphosat vorgelegt. Grundlage dieser positiven Bewertung ist eine Einschätzung des BfR, da Deutschland für den Wirkstoff Glyphosat der der Kommission Bericht erstattende Mitgliedsstaat ist.

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21.10.2020

Grüne: Waldkalkung sinnvoll, aber weitreichende Änderung der Forstwirtschaft erforderlich

Bad Iburg – Inwieweit kann die aktuelle Kalkung zu einer erfolgreichen Waldentwicklung in Zeiten des Klimawandels beitragen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Ortstermins auf dem Dörenberg mit Grünen, Waldbauern und Förstern.

„Bei der jetzt dritten Waldkalkung innerhalb von ca. 30 Jahren geht es darum, den Boden nicht weiter versauern zu lassen“, berichtete Bezirksförster Friedrich Gleissner. Obwohl wahrscheinlich schon vor 100 Jahren, durch historische Waldverwüstung,  der ph-Wert auf den Dörenberg-Flächen um die 3 gelegen habe, habe sich der heute sichtbare Wald entwickeln können. Während im 20. Jahrhundert die Hauptbelastung der Schwefel auch aus dem Georgsmarienhütter Stahlwerk gewesen sei,  sei heute der Stickstoff vor allem aus Verkehr und Landwirtschaft die Ursache der Versauerung des Waldbodens.

Deshalb wollen die Grünen vorrangig diese Ursachen bekämpfen. Dazu zählen sie das baldmögliche Ende der Verbrennungsmotoren sowie die Konzentration der Tierhaltung auf die nationale Versorgung. „Bei Waldkalkungen sollte darauf geachtet werden, dass es bei hängigen Lagen wie am Dörenberg nicht zu Ausspülungen kommt“, betonte der Menslager Grünen-Waldbauer Hermann Massmann. Zudem müsse auf die Belebung der Bodenvegetation geachtet werden.

Die Kalkungskosten von ca. 300 Euro / ha würden zu 100% vom Land bezuschusst, bei über 30 ha Wald  pro Besitzer zu 90%, erklärte Uwe Wessels vom Forstamt der Landwirtschaftskammer Weser Ems . Allerdings müsse die Mehrwertsteuer von den Waldbauern selbst getragen werden, was bei 40 ha etwa 5.200 Euro ausmache.

Als „leuchtendes Vorbild“ bezeichnete Johannes Meyer zum Alten Borgloh von der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd die Stadt Georgsmarienhütte, die die Übernahme der nach Abzug der Zuschüsse bei den Waldbauern verbleibenden Kosten in Höhe von knapp 60.000 Euro zugesagt habe. Schließlich seien die Schäden von der Gesellschaft verursacht worden, der wiederum auch der Erhalt der Waldqualität zu Gute komme.

Nachdem der Landkreis schon in den 90-er Jahren 200.000 DM für Waldkalkung zur Verfügung gestellt habe, stellte die Grünen-Kreistagsabgeordnete Felizitas Exner Unterstützung für zukünftige Waldschutzaktionen in Aussicht, zumal das zur aktuellen Klimaschutz-Strategie des Landkreises passe. Neben der Holznutzung durch die Waldbauern werde von vielen Menschen der Wald für Erholung genutzt und der Wildtierbestand geschützt.

Der ehemalige Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Ankum und Grünen-Vertreter aus Kettenkamp Bernd Schwietert sprach sich dafür aus, die zukünftigen Einnahmen aus der CO2-Bepreisung zweckgebunden auch für den Waldschutz heranzuziehen. Der Abbau der Versauerungsaltlasten und die Stabilisierung des Waldbestandes müssten feste Bestandteile des Klimaschutzes werden.

Einig waren sich Waldbauern, Förster und Grüne, dass eine auf den jeweiligen Standort zugeschnittene Vielfalt von Baumarten am besten geeignet sei, mit dem Klimawandel zu Recht zu kommen. Genannt wurden neben vielen heimischen Baumarten Küstentanne, Douglasie, Roteiche und Lärche, wobei als Förderauflage nach Angaben der Förster die Buche mit mindestens 30% vertreten sein müsse.

 

Ergänzung Hermann Massmann:

Hauptaugenmerk zukünftiger Forstwirtschaft ist der unaufhaltsame Klimawandel. In den letzten 800000 Jahren bewegte sich die CO² Konzentration zwischen 180 und 300 ppm, heute liegt sie bei 415 und steigt weiter potenzial an. Der anthropogene Kohlenstoffdioxideintrag in die Atmosphäre wird sich nach übereinstimmender wissenschaftlicher Auffassung selbst bei einem weitgehenden künftigen Emissionsstopp nur allmählich verringern und in signifikanten Mengen das Klimasystem über die nächsten Jahrtausende nachhaltig prägen. Einige Studien gehen noch einen Schritt weiter und postulieren unter Einbeziehung der Erdsystem-Klimasensitivität und verschiedener Kippelemente eine sich selbst verstärkende Erwärmungsphase mit einer Dauer ähnlich dem Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum. Sollten die anthropogenen Emissionen in der aktuellen Höhe fortdauern, so werden sich wahrscheinlich Rückkopplungseffekte ergeben, die die atmosphärische CO2-Konzentration weiter steigen lassen. So ergibt sich aus Berechnungen in einem Business-as-Usual-Szenario, dass etwa gegen Mitte diese Jahrhunderts die Böden nicht mehr eine Senke, sondern eine Quelle von Kohlenstoffdioxid sein werden. Ab dem Jahr 2100 werden sie dann voraussichtlich mehr emittieren, als die Meere absorbieren können. Simulationen ergaben, dass aus diesem Effekt bis zum Ende des Jahrhunderts eine Erwärmung um 5,5 K anstelle von 4 K ohne diese Rückkopplung resultiert.

(Quelle: Peter M. Cox, Richard A. Betts, Chris D. Jones, Steven A. Spall, Ian J. Totterdell: Acceleration of global warming due to carbon-cycle feedbacks in a coupled climate model.)

Um dieses zu verhindern muss die Fähigkeit der CO² Speicherung (CO² - Senke) von Wald und Moorflächen neu bewertet werden. Der Wald in Deutschland wirkt derzeit als Senke und entlastet die Atmosphäre jährlich um rund 52 Millionen Tonnen Kohlendioxid. (Quelle: Bundeswaldinventur)

Durch die Beerntung der Forstflächen wird das gebundene CO² durch unseren Konsum letztendlich doch wieder in die Atmosphäre entlassen.  Bis heute ist übrigens der Begriff „Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft“ nicht eindeutig definiert.

Neben einer überfälligen Reform zur Waldnutzung ist es essentiell, große Waldflächen sich selbst zu überlassen, damit die Natur sich regenerieren kann. Dann entscheidet sich durch den jeweiligen Standort, welche Bäume dort am besten zurechtkommen: Sie wachsen, passen sich den Umweltveränderung an, werden widerstandsfähig und bieten Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Dies passiert ohne Eingriff durch den Menschen – ganz von selbst und kostenlos. So entwickelt sich ein naturnaher Wald, der deutlich mehr CO2 speichert.

In Deutschland gibt es keine Urwälder mehr und nur 2,8 Prozent der Fläche sind vor der Säge geschützt. Deutlich mehr sind nötig: Mindestens 10 Prozent der Waldfläche müssen sich schnellstmöglich und rechtlich abgesichert natürlich zu echten und damit widerstandsfähigen Wäldern zurückentwickeln können. Insbesondere seltene Waldökosysteme, wie beispielsweise Bruch-, Schlucht-, und Auenwälder sowie bodensaure Eichenmischwälder, brauchen Schutz.

Wenn beide Maßnahmen zusammen kommen - ein Viertel weniger Holzeinschlag durch effizientere Holznutzung, gleichzeitig mehr Schutzgebiete - kann der deutsche Wald jedes Jahr bis zu doppelt so viel CO2 binden wie bisher - und gleichzeitig wieder viel artenreicher werden.

Nach Ergebnissen einer bundesweiten Studie zur Nährstoffnachhaltigkeit (EnNa) sind 16% der Waldflächen Bodenversauert und benötigen in wiederkehrenden Abständen eine Bodenschutzkalkung. Besonders auf diesen Flächen bietet sich in Folge eine natürliche Waldentwicklung ohne Holzentnahme an.  Anreicherung von Totholz führt zu einem Quell des Lebens. Bäume speichern gewaltige Mengen von Kohlenstoff in ihrem Holz, das in Urwäldern jahrhundertelang steht. In Urwäldern konnte sich in langen Evolutionszeiträumen Tausende von Arten darauf spezialisieren, diese gewaltige Biomasse zu besiedeln, zu verwerten und schließlich wieder zu Humus zu verwandeln. Besonders die komplexen Prozesse von Verpilzungen lassen auf Dauer wertvollere Huminsäuren entstehen deren kolloidale Fähigkeit eine Auswaschung von Nährstoffen verhindert und im Übrigen sind in einem Urwaldsystem alle Nährsoffe in den Prozessen gebunden.

Beispielhaft sei hier auf den Märchenwald Einbeck oder auf das Urwaldprojekt Süntel im Harz verwiesen.

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